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Was wolltest Du als Kind werden und wieso liegt der Plan – um beim Thema zu bleiben – auf Eis?
Ich habe sehr wenige Erinnerungen an diese Zeit. Aber wenn ich heute zurückdenke, dann würde ich mir wünschen, ich wäre Astrophysikerin geworden – aber mehr in der Denkweise: Wenn ich das heute nochmals entscheiden könnte, dann dafür. Ein Interesse für Mathematik und Naturwissenschaften hatte ich, aber dass ich das nicht weiter verfolgt habe, liegt sicher auch daran, dass zu dieser Zeit direkte Vorbilder fehlten – also Naturwissenschaftlerinnen in meiner Umgebung.

Was machst Du, wenn Du mal in Rente bist?
Ich werde die Bücher schreiben, die zumindest gedanklich schon in meiner Schublade liegen. Meine Kollegen nennen mich augenzwinkernd eine Mischung aus Besserwisserin und Erklärbär. Und das würde ich dann ungeniert schreibend ausleben und Bücher veröffentlichen, die den Spagat zwischen Philosophie, Systemtheorie und -praxis wagen. Ich hab nämlich ein großes Faible für Luhmanns Sicht der Dinge.

Oh, da, na wie soll ich sagen, sollte ich mich auskennen. Hatte ich nämlich im Studium. Hab den Großteil aber vergessen. Für Leute wie mich: Wie könnte man Luhmanns Systemtheorie im Raum kommunizieren?
Ich erkläre das oft mit dem Wollknäuel-Spiel: Bei einer Diskussion sitzen die Leute im Kreis. Der Erste, der etwas sagt, hat ein Wollknäuel. Er hält das Fadenende fest und gibt das Knäuel dem nächsten, der sich zu Wort meldet und immer so weiter. Jeder hält den Faden fest. Das Gespinst, das man am Ende sieht, ist das System; die Menschen, die die Wolle halten, sind nur die Träger der Kommunikation.