mudar_dabbous

An welches Bildungerlebnis erinnerst du dich?
Mudar: Mir geht die Lage in der Uni im Jahr 2011 nicht aus dem Kopf. Es war die Anfangszeit der Revolution in Syrien und es gab zwischen den Studenten viele Diskussionen, weil jeder eine andere politische Position vertrat. Damals habe ich bewusst versucht, mich als Vermittler zu positionieren, jede Meinung nachzuvollziehen und von den Meinungen der anderen zu lernen. Ich wollte es schaffen, beide Seiten zu verstehen – und diese Erfahrung hat mich für die Zukunft geprägt und mir geholfen, die Rolle zu verstehen, die ich in der Gesellschaft einnehmen möchte.

Erkan: Ich bin mit der Überzeugung aufgewachsen, dass ich Türke immer werde mehr leisten müssen als die anderen um mich herum, um respektiert und in eine Gruppe aufgenommen zu werden. Nehmen wir als Beispiel nur den Fußball: Ich musste einfach schneller laufen und bei Kopfbällen höher springen als die anderen. Das war mein Bild von mir selbst. Und dann passierte etwas Besonders: Ein Trainer, er war wesentlich jünger als die, die ich bis dahin gehabt hatte, kehrte meine Sicht um. Er brachte mir bei, wie man beim Fußball den Kopf einschaltet, schlau spielt statt nur mit dem Körper. Man muss dafür einfach die Perspektive wechseln und Situationen anders anschauen. Damals war das neu, heute gehört das in jeder Kreisligamannschaft zum Standard. In meiner Mannschaft damals haben das die meisten Jungs aber nicht kapiert.